Beginne mit radikal kleinem Maßstab: „Danke, weil mein Körper Luft ausatmet.“ „Danke, weil der Boden mich trägt.“ Keine Bewertung, nur Orientierungsdaten. Dann ergänze ein sinnliches Detail, etwa Temperatur, Textur, Gewicht. So verschiebst du Fokus von Narrativen hin zu Wahrnehmung. Das senkt inneren Widerstand und öffnet Platz für die nächste freundliche Mikroentscheidung. Manchmal reicht dieser Übergang, um später auch subjektiv Schönes zu erkennen. Du musst nichts fühlen, nur bemerken, dass etwas unterstützt. Genau hier setzt Veränderung an: leise, robust und wunderbar unambitioniert im besten Sinn.
Kopple die Übung an ohnehin sichere Routinen: Bildschirmentsperren, Türgriffe, Wasser, Fahrstuhlklingel, Kaffeegeruch. Entscheide dich für eine einzige Geste, die automatisch folgt. Baue keine Extrazeit ein, sondern nutze Zwischenräume. So lebt die Praxis in deinem Rhythmus, statt dagegen anzurennen. Wenn du an einem Tag nur zweimal daran denkst, ist das ausreichend. Kontinuität entsteht durch Leichtigkeit, nicht durch Strenge. Und an vollen Tagen zählt gerade die Mini-Version, weil sie Energie spart, Orientierung gibt und dich ohne Schuldgefühle freundlich an Handlungsfähigkeit erinnert.
Du musst nichts glauben. Betrachte es als Experiment mit niedriger Schwelle: zwei Atemzüge, ein konkretes Wort, ein spürbares Detail. Prüfe, ob sich Spannung, Blickfeld oder Entscheidungsfreiheit minimal verändern. Wenn ja, wiederhole. Wenn nein, ändere Reiz: Tonfall, Tempo, Sinneskanal. Humor hilft: ein augenzwinkerndes „Danke, weil mein Kaffee nicht wegrennt“. Zynismus schützt oft vor Enttäuschung; Dankbarkeit nimmt ihm nicht die Schärfe, aber schenkt zusätzlich Optionen. Erlaube dir, zugleich kritisch und freundlich zu sein. Diese Koexistenz macht die Praxis erwachsen, realistisch und widerstandsfähig im echten Arbeits- und Lebenskontext.
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